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Alastair Bonnett: Die seltsamsten Orte der Welt (2015)

(Standort: onleihe: Sachmedien/Geschichte, Völker & Länder)

 

 

 

 

 

Diesen Monat stelle  ich ein Sachbuch aus der Onleihe vor, das aus meiner Sicht auf alle Fälle fünf Sterne verdient hat. Der Autor, Alastair Bonnett, ist Professor für Sozialgeographie an der Universität Newcastle.

 

Das erste Kapitel seines Buches „Die seltsamsten Orte der Welt“ handelt von Orten, die es nicht mehr gibt, sei es, weil es sie nie gegeben hat wie Sandy Island vor der Ostküste Australiens, oder weil sie aus geologischen oder politischen Gründen wieder verschwunden sind wie die „Starfish“-Dörfer in Großbritannien aus dem zweiten Weltkrieg, die nach 1945 keinen Verwendungszweck mehr hatten, oder der Aralsee, der durch menschliche Eingriffe in den Wasserhaushalt austrocknet.

Weitere Kapitel befassen sich u.a. mit „Geisterstädten“, temporär existierenden Orten oder „Niemandsländern“ zwischen zwei Staaten, die keiner haben will. Zum Teil sind es bekannte Geschichten, wie die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl verlassene Stadt Prypjat, zum Teil aber auch eher unbekannte Darstellungen menschlichen Größenwahns wie das nie bewohnte nordkoreanische Grenzdorf Kijong-dong, oder durch Kriege zerstörte und verlassene Städte. Manche Kapitel lassen uns schmunzeln, einige regen zum Nachdenken an oder machen den Leser betroffen, aber immer staunt man aufs Neue, was für Kuriositäten es in unserer Welt auch heute noch gibt.

 

Alastair Bonnett ist ein wirklich interessantes, lehrreiches und zugleich unterhaltsames Buch gelungen, das nie trocken wird, sondern über die reine Wissensvermittlung hinaus auch über die Bedeutung von „Ort“ und „Raum“ für den Menschen philosophiert: „Dabei ist der Ort das Gewebe unseres Lebens, mit Erinnerung und Identität durchwirkt. Ohne ein eigenes Irgendwo, ohne einen Ort, an dem man zu Hause ist, ist Freiheit eine leere Worthülse.“

 

Sein Buch beendet der Autor mit folgendem Fazit: „Die Welt steckt noch immer voller unerwarteter Plätze, die uns entzücken, manchmal auch erschrecken, aber immer faszinieren. Diese ungebärdigen, anarchischen Orte provozieren uns und zwingen uns dadurch, über die vernachlässigte, aber fundamentale Rolle nachzudenken, die sie für unser Leben spielen. Sie stellen uns vor die Herausforderung, uns als das zu sehen, was wir sind, nämlich eine Spezies, die Orte schafft und Orte liebt.“

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